KAPITEL I: EINE EINMALIGE CHANCE

Blackridge. Distrikt 19. Es hätte ein gewöhnlicher Montagmorgen an der West End Oberschule werden können, doch die 17-jährige Marry hatte etwas Waghalsiges getan, das jetzt um kurz nach acht die Aufmerksamkeit all ihrer Freundinnen im Klassenraum auf sie zieht. Sie pustet sich lässig ihren schwarzen Pony aus dem Gesicht und sitzt tief in ihren Stuhl zurückgelehnt. Beide Füße hat sie wie selbstverständlich auf dem Tisch abgelegt, an dem ihr Katana lehnt. In Blackridge sind Katanas keine Überraschung und außerdem ist ihres aus Holz. Den rechten Ärmel hat sie bis zur Schulter hochgeschoben. Denn dort befindet sich der Grund für die morgendliche Aufregung: Ein kleiner, schwarzer Kreis auf ihrem Oberarm.
„Wow, krass. Ein echtes Tattoo!” Ihre beste Freundin Nana beugt sich etwas näher über ihren Arm. „Das ist doch echt, oder?“ Marry rollt mit ihren verschiedenfarbigen Augen, das eine grün, das andere blau. „Natürlich ist das echt. Hab die Nadel kaum gespürt!” Eine andere Mitschülerin nickt anerkennend. „Schon boss.” Marry versucht, sich ihren Stolz nicht anmerken zu lassen, kann ein leichtes Lächeln aber nicht unterdrücken und genießt die Aufmerksamkeit. „Was hat eigentlich deine Mutter dazu gesagt?“
Marry erinnert sich, wie ihre Mutter ihr Tattoo sofort mit einer saftigen Backpfeife beantwortet hatte. Danach folgte die übliche Standpauke, in der die Worte „erst siebzehn!”, „genau wie dein Vater”, „und immer diese Raufereien…”, fielen.
„Temporäre Meinungsverschiedenheit”, beantwortet Marry die Frage ihrer Mitschülerin. „Ich bin gespannt, wie Zero darauf reagiert”, sagt eine andere Mitschülerin, woraufhin sich Marrys Haltung schlagartig ändert. Sie packt das Mädchen am Kragen. „Ich hab mir das nicht für irgendein Zero gestochen, klar?”
Doch als die Lehrerin schlussendlich den Klassenraum betritt, lässt Marry von ihrer Mitschülerin ab und die kleine Traube um Marrys Tisch löst sich auf. Alle verschwinden auf ihren Plätzen. Der Unterricht hat gerade begonnen, da öffnet sich die Tür ein weiteres Mal und Zero kommt herein. Zu spät, wie so oft, und trotzdem mit der Gelassenheit eines Menschen, der noch nie in seinem Leben gerannt ist. Marry kann nicht genug von seinem Anblick bekommen: Sein Shirt, das nur halb in der Hose steckt, die Tattoos, die sich über seine Arme ziehen und die schwarzen Haare, die aussehen, als wären sie ihm egal und trotzdem perfekt liegen.
„Du bist zu spät, mahnt die Lehrerin. „Okay”, antwortet Zero beiläufig und setzt sich auf seinen Platz, in der Sitzreihe direkt vor Marry, von wo sie ihn durch die Reflexion der Fensterscheibe unauffällig weiter beobachtet. Sie findet, dass er mit dem kleinen Pflaster unterm Auge heute besonders gefährlich und attraktiv aussieht.
Plötzlich dreht Zero sich um und entdeckt das kleine Kreis-Tattoo auf Marrys Arm. „Oh wow, Marry. Du hast jetzt auch ein Tattoo.” Marry blickt an ihrem Arm herunter. „Das? Ja. Hab ich halt.” „Sieht gut aus.” Zero grinst und hält seinen eigenen tätowierten Arm daneben. „Jetzt passen wir voll zusammen. Du und ich.” Plötzlich fällt warmes Sonnenlicht durch die Fenster. „Partners in Crime”, führt er begeistert fort. Ein Wind fegt durch den Raum, obwohl alle Fenster geschlossen sind. Er bläst durch Marrys weißes Haar und bringt ihre schwarzen Pony besonders zur Geltung. Zero kommt ihr bei diesem Anblick auf einmal ungewöhnlich vertraut vor. „Marry, ich wollte dich schon länger was fragen.” „Huh?“ „Willst du vielleicht… mit mir ausgehen?”
KLACK! Ein Stück Kreide knallt gegen Marrys Kopf. Das Sonnenlicht ist weg. Der Wind auch. „Hör auf zu träumen, Marry! Der Unterricht findet hier vorne statt!”, ruft ihre Lehrerin. Marry schaut zu Zero rüber. Er sitzt mit dem Rücken zu Marry und hat sich kein einziges Mal zu ihr umgedreht. Sie hatte sich schon unzählige Male vorgestellt, wie Zero und sie sich näher kommen. Jede erdenkliche Art des Anbandelns war dabei. Marry seufzt ihrem Tagtraum hinterher.
Als die Stunde vorbei ist, springt Marry sofort auf. Sie sieht, wie Zero nach seiner Tasche greift, doch sie ist schneller. Noch bevor er aufstehen kann, hat sie sich mit einem kleinen Hops auf die Kante seines Tisches gesetzt. Ihr Ärmel ist hochgekrempelt und der kleine schwarze Kreis auf ihrem Arm ist kaum zu übersehen.
„Hm?” Zero wirkt nicht sonderlich beeindruckt. Marry lehnt sich etwas zurück. „Ach so. Das hat übrigens gaaar nicht wehgetan.“ Sie dreht ihren Arm noch etwas weiter zu ihm, nur für den Fall, dass er das Tattoo noch nicht bemerkt hat. Zeros Blick fällt kurz auf das Tattoo. „’N Kreis…” „Meine Mutter hat mich deswegen übrigens rausgeworfen. Leb jetzt erstmal bei meiner Oma. Strategischer Rückzug, würde ich sagen.” „’Kay.“”„Na ja, also, rausgeworfen ist vielleicht das falsche Wort. Ich bin jetzt nicht obdachlos oder so”, entkräftet Marry ihre eigene Aussage, nachdem sie nicht die erhoffte Wirkung erzielt hat. „Hab ich auch nicht gedacht.” „Gut.” Marry zupft beiläufig an ihrem Ärmel. „Weil ich könnte jederzeit zurück, wenn ich wollte.” Zero antwortet nicht. „Du bist heute aber still.”“ „Bin ich meistens.”“ Marry wendet den Blick von ihm ab und sucht nach den passenden Worten. „Ja, schon, aber es ist halt echt schwer, ein Gespräch am Leben zu halten, wenn sich eine Person kaum beteiligt. Was jetzt übrigens gar keine Kritik sein soll, aber… huh?” Marry hält inne. Vor ihr ist niemand mehr. Zero hat das Klassenzimmer bereits verlassen und geht den Flur entlang. Marry sieht ihm hinterher. „Verdammter Drecksack.”
Marry verbringt die Pause wie so oft mit ihrer besten Freundin Nana. Beide sitzen auf einer niedrigen Mauer am Rand des Schulhofes. „Ich sag ja nicht, dass es Spirit Animals nicht gibt”, meint Nana. „Aber wie wahrscheinlich ist es bitte, dass man in seinem ganzen Leben eins sieht? Vielleicht irgendwelche Stars oder krass reiche Typen oder so.” Marry überlegt kurz. „Schon crazy. Ich würd gern ’nen Regenwurm haben.” Nana verzieht angewidert das Gesicht. „Bah, wieso einen Regenwurm?” „Na, wenn ich den in der Mitte durchslice, hab ich zwei Spirits.” Nana starrt sie an. „Warum nicht wenigstens was Süßes? ’Ne kleine Katze oder so?” Marry schüttelt angewidert den Kopf. „Bah, ne. Ich hasse süße Tiere. Eigentlich hasse ich alles, was pelzig ist.” „Du bist echt komisch.” „Sagt die Richtige.”
Bevor Nana darauf antworten kann, wird es ein paar Meter weiter plötzlich laut. Ein Schüler packt einen anderen Jungen an der Jacke und drückt ihn gegen eine Tischtennisplatte. Marry springt von der Mauer auf. „Juchuu, Fetzerei!”, ruft sie und rennt los. Nana folgt ihr weniger euphorisch in Richtung des Geschehens. Innerhalb weniger Sekunden schart sich um die Streitenden der übliche Halbkreis aus Schaulustigen, die ihren jeweiligen Favoriten laut anfeuern. Einer der raufenden Jungs stößt sein Gegenüber von sich. Beide heben die Fäuste. Doch als sie gerade aufeinander losgehen wollen, wird es plötzlich still um sie herum. Jemand hat sich aus der umstehenden Menge gelöst und tritt zwischen die beiden. Zero. Ein kurzer, kühler Blick von ihm reicht, und die Streiterei ist beendet, kaum dass sie begonnen hat.
Zero ist an dieser Schule ein Name, den jeder kennt. Wenn er auftaucht, verändert sich die Stimmung. Vor allem bei den Mädchen ist er beliebt. Mit jedem Gang durch den Schulflur zieht er sämtliche Blicke auf sich, inklusive der Flüstereien und dem viel zu offensichtlichen Gekicher. Zero selbst scheint davon kaum etwas mitzubekommen. Oder es interessiert ihn schlichtweg nicht.
Bei den Jungs ist es ähnlich. Viele bewundern ihn und wünschen sich, mit ihm abzuhängen. Der Respekt kommt nicht von ungefähr: Denn Zero ist Teil der berüchtigtsten Gang in Distrikt 19: den Kenshos. Niemand legt sich mit ihnen an.
Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass sich die Menschentraube, die sich eben noch um die streitenden Schüler gebildet hat, mit Zeros Einschreiten auflöst. Marry beobachtet Zero beim Weggehen. „Hmm. Vielleicht muss ich ihn mit meinem Holzkatana einfach K.o. hauen und dann bei mir zu Hause gesund pflegen”, denkt Marry laut. Nana mustert Marry irritiert. „Klingt ja noch radikaler als die Sache mit dem Fahrrad...”
Marry muss unweigerlich an die besagte Aktion zurückdenken. Gerade einmal zwei Wochen ist das her, als Marry sich vor Schulbeginn in einem Gebüsch auf die Lauer gelegt hatte. Bewaffnet mit einem Stock, wartete sie, dass Zero mit seinem Fahrrad vorbeifuhr. „Jetzt oder nie”, sagte Marry, um sich selbst anzuheizen. Dann riss sie den Arm nach vorn und jagte den Stock wie ein Wurfgeschoss mit voller Wucht durch die Luft. Fast zwanzig Meter lagen zwischen ihr und Zero, doch der Stock landete präzise zwischen den Speichen seines Fahrrads. Zeros Fahrrad überschlug sich und er stürzte zu Boden. Marry war natürlich vorbereitet. Mit einem Erste-Hilfe-Set und einem Fahrradreparaturset wollte sie gerade zu ihm los eilen, da schossen aus drei verschiedenen Ecken drei andere Schülerinnen hervor, um den am Boden liegenden Zero zu verarzten. Marry blieb fassungslos stehen und gab sich für diese Runde geschlagen.
Zurück auf dem Schulhof bei Nana zuckt Marry mit den Schultern: „Naja, immerhin besser als das mit dem Portemonnaie.”
Einen Monat zuvor hatte sie Zero auf dem Nachhauseweg aufgelauert. Als er gerade vor einem Getränkeautomaten stand und bezahlen wollte, sprang Marry mit Sturmmaske direkt hinter ihn und schrie mit verstellter Stimme: „Keine Bewegung! Das ist ein Überfall! Gib mir dein Portemonnaie, na los!” Mit seiner üblichen Gleichgültigkeit hielt er ihr seine Brieftasche hin. Marry schnappte sie sich und machte sich aus dem Staub. Am nächsten Tag präsentierte sie ihm voller Stolz sein Portemonnaie. „Guck mal, hab ich auf der Straße gefunden.” Doch Zero zeigte keinerlei Interesse daran. „Kannst du behalten. Hab ein neues.”
Nana verdreht die Augen: „Vielleicht versuchst du es einfach mal mit fragen?” „Hab ich schon”, protestiert Marry. Und tatsächlich: Einen halbwegs normalen Versuch hatte es gegeben. Zumindest hatte er normal angefangen.
Ein knappes halbes Jahr zuvor hatte Marry in einer Arcade-Spielhalle genug Punkte erspielt, um sich erstmals einen großen Gewinn auszusuchen. Die Wahl zwischen einem riesigen, fluffigen Kuscheltier und einer kleinen goldenen Münze fiel Marry natürlich leicht, denn flauschige Tiere konnte sie auf den Tod nicht ausstehen. Die Münze war schwer, aus echtem Metall. Als sie sie hochhielt, las sie darauf das Wort ‘Kiss’. Auf beiden Seiten.
Am nächsten Schultag lief Zero ihr über den Weg. „Hey Zero, hast du Bock auf‘n total lustiges Spiel? Hier!” Sie holte die Münze hervor. „Also, wenn dieser Coin auf Kiss landet… dann…” „Auf beiden Seiten steht Kiss, oder?”, unterbrach er sie trocken. Marry fühlte sich maximal ertappt. Nach einem kurzen Moment des unangenehmen Schweigens drehte sie sich einfach um und ging wortlos weg.
Nana schüttelt den Kopf. „Nein, ohne Tricks oder ‘nem dummen Coin. Einfach fragen, wie ein normaler Mensch. Ob man mal miteinander abhängt.”
Als die Schule am späten Nachmittag aus ist, macht Marry sich wie jeden Montag auf den Weg zur Schwertkampfschule. Mit ihrem Trainingskatana aus Holz auf den Rücken geschnallt geht sie die Straße entlang, da entdeckt sie Zero allein an einer Kreuzung, die Tasche locker über die Schulter geworfen. Marry wird langsamer. „Na gut. Einfach…fragen.” Sie geht zu ihm. „Hey.” Zero sieht zu ihr. „Hey.“ Marry bleibt neben ihm stehen. „Ich hab gleich Schwertkampf.“ „Cool.” Die Ampel springt auf grün und beide gehen los. „Würd’s dir was ausmachen, mich ‘n Stück zu begleiten?” Zero sieht sie nicht an. Marry redet direkt weiter. „Nur begleiten. Musst jetzt nicht mitkommen und mir dabei zuschauen, wie ich die anderen im Trainingskampf vermöbel. Einfach nur ‘n paar Schritte zusammen gehen.” „Okay.” Marry nickt. „Ja, dachte ich mir. Ist auch zu spontan. Vielleicht ein anderes Ma…warte, was? Du begleitest mich?” „Jup” „Okay. Cool.”
Marry geht los. Zero hinterher. Sie muss sich zusammenreißen, nicht die ganze Zeit zu grinsen. „Ich mach das übrigens schon seit ich klein bin”, erzählt sie nach einer Weile. „Schwerttraining?” „Nee, Leute vermöbeln. Aber Schwerttraining auch”, grinst Marry. Zero nickt. „Funny…” „Meine Mutter hat mich da angemeldet, als Ventil für meine angeblichen Aggressionen. Dabei habe ich mich nie geprügelt, weil ich wütend war, sondern immer aus Spaß. Mittlerweile liebe ich das Training.” „Cool.” „Man kann mit dir wirklich hervorragend reden, Zero”, sagt Marry und lächelt. „Hm.” Sie erzählt von ihrem Vater, der ihr seine neue Adresse nicht verrät, einem Priester, der behauptet, sie sei der Grund, warum er wieder mit dem Rauchen angefangen hat und von dem örtlichen Altersheim, in dem sie Hausverbot hat.

„Aber genug von mir. Sag du mal, Zero. Wie ist das eigentlich so in der Kensho Gang zu sein?” Eine Frage, die Marry schon länger beschäftigt. In Blackridge träumen viele Jugendliche davon, eines Tages in einer berüchtigten Gang zu landen. Auch Marry hat sich das schon oft vorgestellt, seit sie ein Kind war. Keine langweiligen Regeln, keine festen Strukturen. Sie machen ihr eigenes Ding und leben nach ihren eigenen Gesetzen.
Zero denkt kurz über ihre Frage nach, als ließe sich die Antwort nicht mit einem Wort abhaken. Er schaut zu ihr rüber, doch bevor er antworten kann, reißt das Geräusch von quietschenden Autoreifen die beiden aus dem Moment heraus. Danach ein dumpfer Schlag. Direkt hinter ihnen. Ein Mann wird zu Boden geschleudert. Der schwarze Wagen mit den getönten Scheiben, der den vermeintlichen Unfall verursacht hat, rast weiter. „Scheiße!“, ruft Zero und läuft sofort los zum am Boden liegenden Mann, der sich verletzt auf der Straße regt.
Marry steht am Bürgersteig und weiß vor Überforderung nicht recht, was sie tun soll. Zero geht neben dem Mann auf die Knie. „Kami! Scheiße, geht’s dir gut?” “„Du kennst ihn?”, ruft Marry überrascht zu ihm rüber und erkennt die charakteristische Kensho-Kleidung des Verletzten. Da hört sie auf einmal wieder das Reifenquietschen. Sie schaut auf die Straße und sieht, wie das Auto einen U-Turn macht und zurückfährt. „Achtung Zero! Sie kommen zurück!” Zero blickt hoch. Das Auto bremst, steigen drei Männer aus, sie haben Katanas am Rücken. Einer von ihnen ruft aggressiv: „Das werden wir euch heimzahlen! Ein Mann für einen Mann!” Die drei Männer marschieren auf Zero und Kami zu. Einer von ihnen zückt seine Klinge, doch bevor sie ankommen, springt Marry dazwischen. Mit ihrem Holzkatana in der Hand holt sie aus und mit zwei geschickten Treffern gegen Bein und Kopf geht der erste zu Boden. Der Überraschungsmoment gehört ihr. Die beiden anderen ziehen ihre tödlichen Klingen und schlagen nach ihr. Marry kann gerade noch so ausweichen, sodass die Schwertspitze des einen Angreifers knapp an ihrer Wange entlang streift und nur einen kleinen Schnitt hinterlässt. Marry lenkt dabei den Schlag um, sodass sie damit das Schwert des anderen Angreifers blocken kann. Sie haut ihren Griff mit voller Wucht in den Bauch des einen und die Holzklinge ins Gesicht des anderen. Nach einer Drehung und zwei weiteren präzisen Treffern liegen schließlich alle drei am Boden.
Zero sieht Marry einen Moment verblüfft an. „Okay… das war krass”, sagt er. Marrys Körper ist von Adrenalin durchströmt, sodass sie kein Wort hervorbringt. Auch wenn sie in ihrer Kampfschule zu den Besten gehört, war sie noch nie in einer echten Kampfsituation um Leben und Tod. Zero richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf Kami. Der hat inzwischen das Bewusstsein verloren. „Kami, wach auf!”
Er klatscht ihm gegen die Wange. Keine Reaktion. Zero packt Kami an den Schultern. „Los, Marry. Hilf mir. Wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen!”
KAPITEL II: PARTNERS IN CRIME
Wenig später warten Marry und Zero im Flur der Notaufnahme. Während Zero an der Wand lehnt, geht Marry ungeduldig vor ihm auf und ab. Nach ein paar Minuten hebt Zero den Kopf. „Kannst du aufhören?“ „Womit?” „Laufen.” „Ich denke nach“, sagt Marry. „Zu laut”, antwortet Zero. „Ich sag doch gar nichts.” „Deine Füße”, erwidert Zero genervt. Marry schaut herunter auf ihre Schuhe und stellt sich schließlich neben ihn an die Wand. Einige Sekunden schweigen beide. „Du wolltest wissen, wie es bei den Kenshos ist?”, unterbricht Zero die Stille. Marry nickt Zero mit erwartungsvollen Augen zu. „Weißt du, Marry, das Gangleben ist nicht für jeden was. Du musst wissen…”, doch dann hält er inne, schubst sie auf einmal mit einem kräftigen Stoß von sich weg, direkt in ein offenes Zimmer neben ihr und schlägt die Tür zu. Es ging so schnell, dass Marry noch gar nicht realisiert, hat was gerade passiert ist. Sie befindet sich in einem Patientenzimmer. Vorsichtig öffnet sie die Tür einen kleinen Spalt, sodass sie hindurchschauen kann. Da sieht sie fünf Männer, die dieselben auffälligen Klamotten tragen, wie Kami sie trug. „Noch mehr Kenshos”, flüstert Marry zu sich selbst. Jetzt versteht sie, dass Zero sie vor den Kenshos verbergen wollte. Warum, wird seine Gründe haben.
Die Männer marschieren energisch durch den Flur, auf Zero zu. Einer von ihnen geht voraus. „Was ist passiert?”, fragt er. „Die Hachis… hatten es auf Kami abgesehen. Die kamen aus dem Nichts, Slicer.” „Am hellichten Tag?! Die Hachis wissen wohl nicht mehr, wo ihre Grenzen liegen! Wollen die einen offenen Krieg provozieren, oder was?!”, wirft ein aufgebrachter Kensho ein. Slicer hingegen spricht weiter zu Zero. „Wie steht’s um Kami?”, fragt er. „Knapp mit dem Leben davongekommen, aber wird ‘n paar Wochen hier bleiben müssen.” Slicer wirkt misstrauisch. „Wieso haben sie es nicht zu Ende gebracht?” „Jemand kam ihnen dazwischen”, sagt Zero. Slicer schaut ihn ungläubig an. „...Du??” Zero antwortet nicht. „Wie viele Hachis waren’s?” „Drei.”, entgegnet er. „Wenn das mal keine Überraschung ist”, sagt Slicer und mustert Zeros unversehrtes Gesicht. „Haben bekommen, was sie verdient haben.” „Hätte ich dir gar nicht zugetraut, Zero.” Er versteht es als Lob und lächelt leicht. Das erste Mal, dass Marry Zero lächeln sieht. Das bringt sie ebenfalls zum Lächeln. Einer der anderen Kenshos mischt sich in das Gespräch ein: „Und was ist jetzt mit Kamis Auftrag?”, fragt er. „Scheiße, du hast Recht. Der Boss wird uns den Arsch aufreißen”, sagt ein weiterer. „Daigo duldet keine Misserfolge.” „Und die Hachis? Wir können diese Provokation nicht einfach auf uns sitzten lassen.“ „Ich kann das machen”, mischt Zero sich ein. „Was? Dich um die Hachis kümmern?” „Nein. Kamis Auftrag. Ich erledige das.” „Du weißt doch gar nicht, worum es da geht.” „Egal, wenn Kami es geschafft hätte, dann schaff ich das auch.” Die Kenshos gucken sich gegenseitig an, als würden sie überlegen, ob Zero der richtige dafür ist. Einer nickt Slicer kaum merklich zu. Der reagiert mit einem leichten Grinsen: „Hmm, ist vielleicht ‘n Versuch wert. Was meinst du?” „Klingt wie ‘ne Chance für Zero, sich zu beweisen”, sagt der Kensho und erwidert ein besonders schmieriges Grinsen.
Marry freut sich. Immerhin ist sie der heimliche Grund dafür, dass Zero diese scheinbar einmalige Chance geboten wird. Und sie darf diesen besonderen Moment live miterleben, wenn auch nur durch einen Spalt. Doch das ändert nichts daran, dass sie eine positive Aufregung dabei verspürt, ein Gang-Gespräch zu belauschen. Die Kenshos gehen ab. Und Zero mit ihnen. Ein leises Stöhnen hinter Marry lässt sie ihren Blick vom Türspalt abwenden. Sie dreht sich um. Erst jetzt bemerkt sie den Patienten, der hinter ihr im Bett liegt und sie anstarrt, als wäre Marry seine persönliche Schlafparalyse. „Sie haben nichts gehört, klar?” Dann bemerkt Marry die Verbände um seine Ohren und ist erleichtert, dass er wohl wirklich nichts gehört haben kann. Sie verlässt den Raum und rennt fast in einen Kensho rein, der vor Kamis Zimmer als Wache zurückgelassen wurde. Er wirft ihr einen kurzen, uninteressierten Blick zu. Marry geht an ihm vorbei und denkt sich: „Hehe, Undercover Agentin Marry Twyne!”
Zu Hause angekommen, versucht Marry möglichst unauffällig an ihrer Oma vorbeizuschleichen. „Nicht so schnell, Marry.” Marry friert mitten in der Bewegung ein. Ihre Oma sitzt am Küchentisch und deutet auf den freien Stuhl gegenüber. „Komm, setz dich, mein Schatz.” „Ich hab nichts gemacht.” „Hab ich auch gar nicht gesagt.”
Marry setzt sich schließlich. „Okay, dann sind wir uns ja einig.” Ihre Oma mustert die Schramme in Marrys Gesicht. „Marry, was ist denn mit deinem Gesicht?” „Weißt du doch, Oma. Hab Heterochromie, zwei verschiedene Augenfarben. ” „Nein, ich meine die Schramme an deiner Wange.“ „Achso. Ehm…ach, hab nur jemandem geholfen.” Ihre Oma mustert sie. „Und? War er’s wert?” Marry schaut überrascht auf. „Woher weißt du, dass es ein ‘Er’ ist?” „Kindchen. Ich war auch mal siebzehn.” Sie schiebt ihr den Teller rüber. „Tu mir nur einen Gefallen: Lauf niemandem hinterher, der nicht dasselbe für dich tun würde, wie du für ihn.”
Marry wird für einen Moment still. „…Mach ich nicht.” Ihre Oma lächelt. „Iss, mein Schatz.” Marry zieht wortlos eine kleine Kapsel von ihrem Schlüsselanhänger. Darin befindet sich extrem scharfes Chilipulver. Sie kippt sich eine völlig absurde Menge davon übers Essen.
Später liegt Marry auf ihrem Bett und kann an nichts anderes denken als an den ereignisreichen Tag mit Zero. Schließlich hat sie ihm geholfen. Und nicht nur irgendwie. Dank ihr konnte er sich vor seiner Gang beweisen und hat dadurch sogar einen größeren Auftrag bekommen. Morgen würde er sich bestimmt bei ihr bedanken und sich ihr gegenüber noch mehr öffnen als bisher. „Vielleicht frag ich ihn nach einem Date”, denkt sie. „Kein Date-Date. Einfach irgendwohin. Arcadehalle vielleicht. Irgendwas, das man im Nachhinein problemlos als Date bezeichnen kann, falls es gut läuft.”
Am nächsten Tag in der Schule ist Marry ganz aufgeregt. In den ersten Stunden haben Marry und Zero keine gemeinsamen Kurse, aber Marry kann nicht aufhören, ihren Freundinnen zu erzählen, wie eng sie und Zero nun geworden sind. „Zero und ich, da ist ’ne Connection. Ich weiß, für euch ist er nur dieser mysteriöse Gang-Typ, der nur drei Wörter am Tag redet. Aber ich sag euch, da steckt mehr dahinter. Der hat Layers.” Dann entdeckt sie ihn endlich. Er geht den Schulhof entlang, scheinbar in ihre Richtung, sodass Marry sich auch sofort auf ihn zu bewegt. Sie streicht sich durch die Haare. Marrys Freundinnen halten ein Stück Abstand, aber bleiben nahe genug, um alles mitbekommen zu können. Marry hebt lässig die Hand. „Yooo! Also, gestern war ja mal komplett geisteskra…” Zero lässt nur ein kaltes „Hey” raus und geht an ihr vorbei, als wäre gestern nichts gewesen. Marrys Hand bleibt kurz in der Luft hängen. Sie sieht ihm nach, dann zu ihren Freundinnen. Nana verzieht das Gesicht. „Uff… das war schmerzhaft.”
„Was in den sieben Höllen? Vielleicht ist er einfach zu müde. Vielleicht hat er mit den Kenshos noch die ganze Nacht die andere Gang hochgenommen. Oder vielleicht hatte er einen Schlaganfall und hat alles vergessen? Alles andere würde bedeuten, dass dieser emotional verkümmerte Drecksack mich gerade absichtlich ignoriert hat!” Marrys Gedanken überschlagen sich. Sie dreht sich um und sieht, dass Zero Richtung Schulhofausgang geht. „Gut. Das klären wir jetzt sofort”, sagt sie. Doch gerade als sie losgehen will, wird sie davon abgehalten, da sich von rechts langsam jemand mit einem breiten Grinsen vor ihr Gesicht schiebt. Viel zu nah.

„MAAARRY!“ ruft Tatsuya ihr mit einer hohen Kopfstimme entgegen. ein schmales schwarzes Diktiergerät in seiner Hand. „Dich hatte ich noch nicht”,Marry sieht ihn an. „Wirst du auch nie.” Ihr Blick richtet sich wieder auf Zero. „Komm schon, ich will dir nur ein paar Fragen stellen.” „Verpiss dich, Tat-Loser”, erwidert Marry und will an ihm vorbei, aber Tatsuya versperrt ihr den Weg. „Du kannst mich so oft so nennen, wie du willst. Der Name wird sich niemals durchsetzen.” Ein anderer Schüler läuft an den beiden vorbei und ruft: „Morgen, Tat-Loser!” Tatsuya ballt die Faust. „Verdammt.” Sofort hält er demonstrativ sein Diktiergerät wie ein Mikrofon vor ihr Gesicht. „Fünf Minuten.“ „Hab ich nicht”, antwortet Marry genervt. „Dann eine. Ein wahrer Investigativjournalist lässt sich von Widerstand nicht einschüchtern.” „Deine Artikel in der Schülerzeitschrift waren immer scheiße”, kontert Marry. „Aber ich bin kein Schüler mehr.“ „Ja genau, du dürftest überhaupt nicht mehr hier sein.” „Die Wahrheit braucht mich. Dafür muss man über Grenzen gehen.” Marry sieht, wie sich eine andere Schülerin zu Zero gesellt hat. Erneut versucht sie an Tatsuya vorbeizukommen. Erneut stellt er sich ihr in den Weg und ruft etwas zu euphorisch: „Es geht um Lora.” Marrys Blick löst sich kurz von Zero. Tatsuya wird ernster. „Ihr Tod wurde nach nicht mal zwei Tagen abgehakt. Keine richtige Untersuchung. Findest du das nicht komisch?” „Es war Selbstmord“, antwortet Marry genervt. „Das behauptet die Polizei.” „Das behauptet jeder.” Tatsuya senkt die Stimme. „Dann erklär mir doch mal, warum Lora zwei Tage vorher noch Pläne fürs Wochenende gemacht hat. Und vor allem…” Marry blickt erneut an ihm vorbei. Zero ist verschwunden. Sie dreht sich zu Tatsuya zurück, die Wut steht ihr ins Gesicht geschrieben. „DU VERDAMMTER LOSER, MANN! DU HAST ES VERSAUT!” Sie schubst ihn hart zur Seite und sprintet Richtung Schulausgang. Tatsuya spricht sofort ins Diktiergerät. „Marry Twyne. Verweigert jegliche Aussage. Wird beim Thema Wochenendplanung auffällig aggressiv.”
Marry verlässt mit energischen Schritten das Schulgelände in die Richtung, in der sie Zero vermutet. Doch sie sieht ihn nirgends. Sie rennt die Straße herunter bis zur nächsten Kreuzung, aber auch dort findet sie ihn nicht. Nach einigen Minuten gibt sie frustriert auf. Er ist weg. „Na toll.” Sie setzt sich auf eine niedrige Mauer neben dem Gehweg und fängt langsam an, Zero zu beleidigen. „Dreckskerl. Tut so, als gäbe es mich nicht … Was ein Arsch…”, als auf einmal eine Stimme hinter ihr ertönt. „Hey.” Marry blickt auf. Zero steht vor ihr. „Zero! Du auch hier? Ich dachte, du wärst weg.” Marry will sich nicht anmerken lassen, dass sie wegen ihm hier ist, doch Zero konfrontiert sie: „Bist du mir etwa gefolgt?” „Ehm… warum ignorierst du mich so? Gestern war doch krass!” „Is besser für dich. Glaub mir.” „Wieso? Wegen dem Auftrag von Kami?” „Hast du gelauscht?” „Naja, war ja kaum zu überhören. Außerdem… warum hast du den Auftrag überhaupt bekommen?” Marry richtet sich ein wenig stolzer auf. „Könnte da eventuell jemand nachgeholfen haben?” Zero mustert sie kurz. „Hm. Hast schon was auf’m Kasten.” Marry wartet. „Uuuund?” „Kannst vielleicht wirklich hilfreich sein. Als Rückendeckung.” Marrys Augen werden größer. „Warte. Du willst mich dabeihaben?” Zero verneint es nicht. „Im Westen gibt’s ’ne Gang. 7 Cycles. Die haben vor ein paar Tagen einen Kensho überfallen und ihm was Wertvolles gestohlen. ‘N Kompass. Ich hol ihn zurück und sorge dafür, dass sie sich nicht nochmal mit den Kenshos anlegen.” Marry kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Wow. Partners in Crime. Genau wie du neulich zu mir gesagt hast.” Zero sieht sie an. „Hab ich nie gesagt.”
Marrys Grinsen friert ein. „Shit. Stimmt. War ein Tagtraum.” Kurze Stille. Marry springt von der Mauer. „Okay! Worauf warten wir?”
Eine knappe Stunde später stehen sie am Rand von West Yoko. Marry war noch nie hier, denn der Ort wird von den meisten gemieden. Früher verlief hier eine Schwebebahnstrecke, heute rosten die hoch gelegenen Schienen zwischen zwei Stadtteilen vor sich hin. Ein alter Wasserturm ragt hinter den Plattenbauten auf und dazwischen liegt ein großer Betonplatz. Marry spürt dieses Kribbeln, das sie sonst kurz vor einem Turnier bekommt. Es ist aber keine Angst, sondern vielmehr die Vorfreude darauf, einem anspruchsvollen Gegner in die Augen zu schauen.
Zero bleibt stehen. „Da.” Marry folgt seinem Blick und entdeckt sieben Gestalten, die auf dem sonst leeren Platz herumlungern. Doch sie staunt nicht schlecht. Marry hatte Katanas erwartet. Motorräder. Vielleicht einen Typen mit Spirit Animal. Stattdessen stehen dort sieben Jugendliche mit Fahrrädern. Einer hat sogar einen Korb vorne dran. Es ist ein fast lächerlicher Anblick. Keiner ist älter als 17. Marry schaut zu Zero. „Das sind die 7 Cycles? Das sind doch nur Kids wie wir.” „Sieht so aus.” Zero wirkt fast etwas erleichtert. „Bleib hier. Mach ich schnell.” Zero geht los. „Will er sich etwa vor mir beweisen?” Marry mag den Gedanken. Sie lehnt sich zurück und beobachtet, wie er auf die unbedrohliche Gruppe zuläuft und einige Meter vor ihnen stehen bleibt. „Ihr habt was, das uns gehört.” Einer der Jugendlichen steigt von seinem Fahrrad und mustert ihn mit einem schiefen Grinsen. „Oh, guck mal, Ghost! Hoher Besuch”, sagt einer der Jungs zum Anführer der Bande. Marry stößt einen verächtlichen Laut aus: “Pfff! Ghost? Was denkt der Bubi, wer er ist?” „Niemand beklaut die Kenshos”, sagt Zero bestimmend. „Wir haben nichts von euch”, sagt Ghost. Zero seufzt. „Macht’s nicht komplizierter als es ist.” Einer der Cycles wirft seinen Freunden einen belustigten Blick zu. „Hörst du das, Ghost? Der Kensho droht uns.” „War keine Drohung. Noch nicht.” Marry hebt anerkennend die Augenbrauen. Okay. Das war ziemlich cool. Doch auf einmal schlägt Ghost Zero ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht. Marrys Augenbrauen sinken wieder.
Zero taumelt einen Schritt zurück, fängt sich und schlägt den Angreifer nieder. Doch bevor er nachsetzen kann, packt ihn jemand von hinten. Zero reißt sich los, direkt in den Tritt des nächsten. Ein Dritter schubst ihn weiter und der Vierte empfängt ihn mit einem Fahrradhelm gegen den Kopf. Marry beobachtet das von der Mauer. „Okay… Teamwork können die.” Zero versucht wieder hochzukommen, aber die Cycles lassen ihm keine Sekunde. Sobald er einen erwischt, zieht ihn ein anderer zurück. Einer lenkt ihn ab, zwei greifen gleichzeitig von der Seite an und plötzlich liegt Zero auf dem Asphalt. Marry verzieht das Gesicht. „Das läuft ja beschissen.” Zwei Cycles heben ein Fahrrad an, bereit es auf Zero zu werfen. Marry zieht ihr Holzschwert. „Reicht jetzt.” Noch bevor die beiden das Fahrrad auf Zero werfen können, haut Marry sie um. Die anderen gehen sofort auf sie los und Marry muss ausweichen. Ein paar gezielte Treffer kann sie verteilen, bevor einer der Jungs sich plötzlich aus dem Nichts auf sie stürzt und sie zu Boden zieht. “Wo kam der denn her?”, fragt sich Marry. Ein anderer Jung tritt nach ihr, doch Marry rollt sich rechtzeitig aus der Zielbahn. Flink ist sie wieder auf den Beinen und teilt nun richtig aus. Nach ein paar eingesteckten Schlägen hat Marry die Jungs alle auf den Boden neben ihre Fahrräder befördert. Zero kriecht unter einem Reifen hervor. „Hatte alles unter Kontrolle.” „Du hattest fast ’n Fahrrad auf dir.” Zero ignoriert sie und beginnt die Sachen der Cycles zu durchsuchen. Schließlich zieht er einen alten Kompass aus der Jackentasche von Ghost und hält ihn triumphierend hoch. „Da!”, sagt Zero mit blutender Lippe. Ghost richtet sich mühsam auf. „Ey! Gib den zurück! Der gehört mir, du Arschloch!“ Marry schaut zum Kompass. Dann zu Zero. „…Interessanter Auftrag.” Zero steckt die Beute ein und geht los. „Auftrag erledigt.”